, Text + Bilder Iwan Frey

Vereinsreise vom 12. August 2017

 

Am Morgen beim Erwachen, prasselte noch der Regen aufs Dachfenster und ich dachte, „uiuiui“, wie wird das denn heute noch werden beim geplanten Reisli mit dem Pilzverein?  

Aber schon bald liess der Regen nach und unser Reisebus sammelte uns an den gewohnten Orten in Reinach, Unterkulm und Gränichen ein.

 

Düster hingen die Wolken noch am Himmel, aber der Wetterbericht versprach ja Besserung im Verlaufe des Tages und im Reisebus liess es sich ja mal angenehm reisen.  

Unser Ziel war heute erstmal der Grenzübergang in Waldshut-Koblenz.

In Suhr bemerkten dann einige, dass wir Richtung Autobahnzubringer Hunzenschwil fuhren, im Programm aber Kaffeehalt in Egerkingen versprochen war. Nach kurzem Wortwechsel mit dem Chauffeur, stellte sich heraus, dass nicht Egerkingen, sondern Eggingen in D, nördlich von Waldshut gemeint war.

So war alles geklärt, auch das Rätsel, wieso wir zuerst Richtung Egerkingen fahren hätten sollen und wie das alles mit den Reisezeiten zusammen gepasst hätte.

Also lehnten sich alle gemütlich zurück und es begannen überall lockere Gespräche.  

 

In Koblenz-Waldshut am Zoll mussten wir etwas warten, unser Chauffeur musste irgendeinen Papierkram bewältigen, was dann nach 10 – 15 Minuten auch erledigt war.

Dann ging es weiter auf dem Weg nach Eggingen, durch kleine Weiler und Ortschaften und man merkte schon, dass man im Schwarzwald war.

Langgezogene Hügel mit sanften Tälern, viel Platz für Weiden und Gehöfte; die Ortschaften sind einfach weiter auseinander gelegen.

In Deutschland hat's halt schon noch mehr Platz, auch für die Natur.  

So kamen wir dann an in Eggingen.

Eggingen liegt gleich an der Schweizer Grenze, zum Kanton Schaffhausen gelegen. In der Nähe liegt Hallau.

Im Hotel „Zum Wilden Mann“ bekamen wir dann ein Gipfeli mit Kaffee, um unsere Lebensgeister zu wecken.

 

 

Was den Eggingern gut gelang. Fit mit Kaffee vollgetankt, redeten wir, was das Zeug hielt.  

Weiter gings dann nach Bonndorf. In Bonndorf wartete der erste Höhepunkt der Reise auf uns: Im Gasthaus „Zum Kranz“ gings ins Säli, wo für alle Leute bereits gedeckt war und ein Buffet erahnen liess, was da alles an Gutes auf uns zukommen sollte.

Ein Schinkenseminar war geplant.

Ein Schinkenseminar? Alles Wissenswerte über die Herstellung des Schwarzwälder Schinkens mit anschliessender Verkostung desselbigen, wohlgemerkt.

 

 

Nach dem hinsetzen und bestellen von Tranksamen gings dann los und wir wurden aufgeklärt darüber, aus welchem Teil des Schweines der Schinken hergestellt wird (Hinterbein), wie der Schinken in Form gebracht, von Hand gesalzen (mit Salz und diversen Gewürzen wie Wacholder, Koriander und Pfeffer), dann auch mit Tannen- und Fichtenreisig, Hackschnitzel und Sägemehl drei Wochen geräuchert, dann ruhen und reifen gelassen wird, bis dann das abschliessende Produkt entsteht.

Dass der Schwarzwälder Schinken eine geschützte Bezeichnung ist, die nur in einem genau fest gelegten Umkreis verwendet werden darf.

Dass die verwendeten Schweine nicht nur aus dem Schwarzwald sondern aus ganz Deutschland und auch Dänemark und Spanien kommen.

Dass nur die Schlegel angeliefert werden, die noch entbeint werden müssen.

Da es ja ein Seminar war, wurden wir anschliessend ausgefragt, was wir so gelernt hatten.

Mit Bravour bestand unser Verein den Fragetest und so konnte es losgehen, mit dem Essen des Schinkens!

Eine Scherzfrage gabs auch noch dazu: 5 Sorten Wurst, die alle mit U anfangen?  „Ufschnitt“ war die richtige Lösung.

 

 
 

 

Das Buffet bestand aber nicht nur aus Schwarzwälder Schinken, es gab auch Wacholder-, Honig,- Rinder- und etliche andere Schinken- und auch Fleisch- und Wurstspezialitäten, mit grossem Salatbuffet.

Warmer Beinschinken mit Kartoffelstock, Bratkartoffeln und dazu Sauerkraut, durften auch nicht fehlen.  

So liessen wir es uns schmecken und holten uns auch gerne einen zweiten Teller voll. Oder auch einen dritten.  

Zu Abschluss gabs dann von der Firma Adler noch etwas Reiseproviant, nämlich etwas geschnittenen Schwarzwälder Schinken, ein kleines Fläschchen Pflümli und dazu ein praktisches Holzbrettli zum Schneiden von Speck.

Jetzt war es also schon Viertel nach eins und wir setzten uns wieder in den Bus der uns zum zweiten Höhepunkt brachte:

 

 

  

Nach Blumberg, wo uns die „Sauschwänzlebahn“ erwartete. Die Sauschwänzlebahn ist eine historische Dampflok.

 

 

 

 

Auf der Website der Bahn findet man folgenden Text dazu:  

„Ursprünglich wurde die „Sauschwänzlebahn“ für militärische Zwecke gebaut. 1887 bis 1890 wollte die damalige Reichsregierung für einen möglichen erneuten Krieg gegen Frankreich eine Bahnstrecke haben, die rasche Truppenverschiebungen ins Elsass möglich machte. Die Strecke durfte aber nicht wie bereits die vorhandene Hochrheinstrecke Konstanz-Singen-Basel über die benachbarte Schweiz laufen. Im Kriegsfalle hätte man befürchten müssen, dass die Schweiz die Durchfahrt verbieten würde, um ihre Neutralität zu wahren. 1875 und 1876 waren bereits Teile der Wutachtalbahn gebaut worden, bis 1890 kam der Abschnitt hinzu, der heute „Sauschwänzlebahn“ genannt wird. Zur eigentlichen Friedenssicherung gegen Frankreich wurde die Strecke nie benötigt, für den Personenverkehr war sie zu langsam… So kam es, dass die „Sauschwänzlebahn“ 1977 kurz vor dem Abriss stand. Durch den Einsatz des damaligen Blumberger Bürgermeisters und vielen weiteren Unterstützern wurde sie zur Museumsbahn umfunktioniert und damit gerettet. Bis heute wird die „Sauschwänzlebahn“ mit viel liebevoller ehrenamtlicher Unterstützung als Museumsbahn unterstützt und ist für Einheimische wie auch für Touristen ein beliebtes Ausflugsziel.“ „Ist von der „Sauschwänzlebahn“ die Rede, sind damit allerdings nicht die Loks gemeint, sondern die Strecke selbst! Auch wer beim Namensgeber der „Sauschwänzlebahn“ an ein Schweinchen denkt liegt falsch. Die Museumsbahn hat ihren Namen vielmehr von einem ihrer Tunnel. Die „Große Stockhalde“ bildet in ihrem Verlauf eine Spirale. Der Zug fährt im Tunnel sozusagen einmal im Kreis und überwindet dabei über 15 Höhenmeter. Und weil dieser Streckenverlauf im Tunnel als Ganzes betrachtet an ein geringeltes Schweineschwänzchen erinnert, heißt die Bahnstrecke „Sauschwänzlebahn“.  

 

Als wir aus dem Car ausstiegen, waren schon ganz schön viele Leute da!

Der Zug zieht vor allem Bahnfans an, die da in rauen Mengen die Dampfbahn belagerten, Fotos machten, in den Führerstand wollten oder sich einfach bei einem der Stände verköstigten.

 

 

 

Wir hatten noch genügend Zeit, die Lok zu bewundern, den Bahnhofsshop aufzusuchen oder uns einfach durch die Menge zu bewegen.

Dann gings ans Einsteigen, um zehn nach zwei war Abfahrt.

Die Perrons leerten sich langsam und alle fanden Platz in den Waggons. Die Sitze waren mit Federn gut gepolstert, was beim Fahren ein schunkelndes und  rüttelndes  auf und ab hervorrief, was einige zu einem kurzen Nickerchen brachte.

Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde, führte über schöne Viadukte und durch dunkle Tunnels, 26 km lang mit geringer Reisegeschwindigkeit, was einem genügend Zeit gab, die schöne Landschaft zu betrachten.

Durch die geöffneten Fenster konnte man den Geruch des Rauches riechen, schon fast kamen wir uns selbst wie Schinken vor, die geräuchert werden sollten.

Nein, so schlimm war's natürlich nicht.

Keiner stieg mit schwarzem Gesicht aus. Im Gegenteil, der Zug hatte eine sehr beruhigende Wirkung, auch durch die Minibar, die Bier und Wein und sonstiges hergab.

 

 

In Weizen war dann die Fahrt zu Ende, wir hatten knapp 200 Höhenmeter verloren.

Unser Buschauffeur erwartete uns bereits und so stiegen wir einfach wieder um in den Car, der uns nach Waldshut brachte, wo wir ausstiegen und uns für eineinhalb Stunden das malerische Stätchen ansahen, in ein Café hockten, umherschlenderten und uns das Eis schmecken liessen, was verschiedene Eiscafés und Gelaterias anboten.

 

 

 

Waldshut ist ja sehr nahe von uns gelegen und doch sind manchmal weiter entfernte Ziele einfacher zu erreichen.

Viele Aargauer tummelten sich in Waldshut, der billige Euro winkt!

So stimmt die Aussage vom grossen nördlichen Kanton also immer mehr… so oft hörte man schweizerdeutsch auf den Gassen.  

Kurz nach fünf Uhr gings dann wieder zurück, rein in den Bus und nach Hause.

Wir kehrten mit vielen neuen Eindrücken und einigermassen müde vom vielen Nichtstun heim.

Wo uns dann der Chauffeur unsere Mitbringsel verteilte, die uns noch ein wenig an den Schwarzwald und seinen Schinken erinnern werden.    

Wer (wieder) mal da hin reisen möchte, schaut sich doch einfach mal die untenstehenden Links an.

 

Weiterführende Links:     

http://www.adlerschwarzwald.de/

http://www.sauschwaenzlebahn.de/de/home.html

https://www.bonndorf.de/tourismus.html

http://www.eggingen.de/

http://www.wutachschlucht.de/